Evelyn und die Bücher

Evelyn und die Bücher

Mein ganzes Leben lang begleiten mich schon Bücher. Also zumindest, seit ich selbst lesen kann. Aber wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich einmal in einer Buchhandlung arbeiten würde oder sonst irgendwie beruflich mit Büchern zu tun hätte, hätte ich nur geantwortet: Du träumst! Buchhandlungen waren für mich kein Ort zum Wohlfühlen oder Verweilen. Keine Sehnsuchtsorte. Ich wollte Bücher, und die möglichst schnell und anonym. Meistens habe ich in unserer Trafik oder im Bücherzentrum zugeschlagen. Auch in der städtischen Bücherei war ich Dauergast. Dabei hätte ich sogar kleine unabhängige Buchhandlungen in der Nähe gehabt. Aber die haben mich eher abgeschreckt als angezogen.

Diese Einstellung hatte ich, bis ich die Seeseiten und Johannes kennengelernt habe. An den ersten Besuch und Einkauf kann ich mich tatsächlich noch erinnern. Schüchtern und fast vorsichtig habe ich mich umgeschaut. Hatte Angst, angesprochen zu werden und erklären zu müssen, was ich eigentlich suche. Meist wusste ich das ja selbst nicht, und oft habe ich mich für meine Lektüre sogar geschämt.

Gekauft habe ich „Der Distelfink“ und den Doppelband von „Tante Jolesch“. Im Geschäft war Bettina. Ich bin nicht komisch angeschaut, belächelt oder abgeschreckt worden, und es hat nicht lange gedauert und ich war Stammkundin in den Seeseiten. Johannes und ich haben uns über ähnliche Lese- und sonstige Interessen angefreundet und ich habe viele Regalmeter Bücher über die Zeit heimgeschleppt.

Doch auch wenn das Geld mal zu knapp für Bücherkäufe war, war ich willkommen. Einfach nur zum Quatschen und Kaffee trinken. Und so wurden die Seeseiten zu meinem zweiten Wohnzimmer.

Völlig ohne Hintergedanken habe ich immer wieder mal ausgeholfen, etwa mit Erledigungen wie Einkäufen beim nahen Supermarkt oder bei den Schulbüchern, einfach weil ich dankbar war und etwas zurückgeben wollte. Und als wir dann so gewitzelt haben, dass ich gegen Bezahlung in Form von Büchern ja fix mitarbeiten könnte, wurde aus diesem Herumgeblödel plötzlich eine richtige Anstellung mit echter Bezahlung.

Nie hätte ich mir das vorstellen können. Und doch ist damit ein Traum, ein tiefempfundener Wunsch in Erfüllung gegangen – ich arbeite täglich mit Büchern, darf Bücher lesen für die Arbeit und habe mit großartigen Menschen zu tun, die die gleiche Leidenschaft teilen. BÜCHER! Wie genial ist das bitte?

Aber was lese ich eigentlich?

Über die Jahre hat sich mein Lesegeschmack deutlich gewandelt und ich schäme mich schon lang nicht mehr für meine Lektüre. Als Kind habe ich alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe. Die Pferdebücher meiner Schwester, die 5-Freunde Bücher meines Bruders und die Klassiker wie „Der Trotzkopf“ oder „Das Nesthäkchen“ oder was ich halt sonst so daheim im Bücherregal gefunden habe. Klassenlektüren habe ich geliebt. Sogar die Lesebücher in der Volksschule habe ich immer gleich zu Schulbeginn komplett durchgelesen.

Mein Faible für Krimis hat sich ja mit Enid Blyton schon früh gezeigt. Etwas älter, wechselte ich zu Agatha Christie, und ich wage zu behaupten, dass ich einen Großteil ihrer Romane gelesen habe. Könnte aber nicht sagen, welcher mir am besten gefallen hat – am ehesten vermutlich „Mord im Orient-Express“. Mit der Zeit erweiterte ich dann auch auf Thriller. Ich bevorzuge immer noch britische Geschichten, aber es verlagert sich zunehmend nach Skandinavien. Auch einheimische Krimis weiß ich zu schätzen.

 Meine aktuellen liebsten Autorinnen sind Yrsa Sigurdadottir und Alex Beer.

Über die Jahre bin ich ziemlich abgehärtet. „Nacht“ von Yrsa Sigurdadottir (hier eine Rezension von Anna) ging mir aber tatsächlich ordentlich unter die Haut. Ihr Buch „Rauch“ habe ich hier für euch rezensiert.

Bei der Emmerich-Reihe von Alex Beer liebe ich die düstere Stimmung. Und dass die Romane im alten Wien spielen, hat für mich einen besonderen Reiz. Ich mag es, wenn mir die Örtlichkeiten vertraut sind. Und Geschichtliches lese ich immer gern.

Womit wir bei meinem nächsten Lieblingsgenre sind. Historische Romane. Und hier habe ich zwei absolute Leader – meine Must-Reads: Ken Follett und Rebecca Gablé.

Es gibt wenige Bücher, die ich so oft gelesen habe, und von denen ich weiß, dass ich sie bestimmt irgendwann wieder lesen werde!

Das eine ist „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett, das andere „Das Lächeln der Fortuna“ von Rebecca Gablé. Der neueste Roman von Ken Follett war auch wieder sehr gut und wurde von mir natürlich für euch Probe gelesen: Stongehenge

Ich mag es, wie mich diese Art von Büchern auf eine spannende Reise in die Vergangenheit nehmen. Meist sind sie gut recherchiert und man lernt nebenbei auch noch einiges über die Lebensbedingungen und Gesellschaften der jeweiligen Zeit.

Die nächste Kategorie ist Horror. Stephen King war lange Zeit mein Hero – auch von ihm habe ich wahnsinnig viel gelesen und ihm sogar vor einiger Zeit einen Blog-Beitrag gewidmet: Ich grusel mich einfach gerne

Mein absoluter Lieblingsroman war und ist immer noch „The Green Mile“. Ich habe es mehrfach gelesen und auch die Verfilmung öfter gesehen. Einfach nur WOW! Mittlerweile bevorzuge ich eher Christina Henry. Meine Rezension von „Böse Mädchen sterben nicht“ lest ihr hier.

Mein Bruder war schon früh ein Fantasy-Fan, und über ihn habe ich Terry Pratchett, J.R.R. Tolkien und Tad Williams kennengelernt. Was soll ich sagen, es war Liebe auf den ersten Satz. Fantasy gehört seither fix zu meiner Leseliste, und die Autorinnen und Autoren, die ich mag, sind zahlreich. Auf die Frage nach einem Favoriten könnte ich keine Antwort geben. Aber ein Buch aus der jüngeren Vergangenheit, das ich sehr mochte, verrate ich euch: T.J. Klune Das unglaubliche Leben des Wallace Price

Ein wirklich großes Thema in meinem Leben ist das Bilder- und Kinderbuch – klar, durch meine Kinder. Für mich sind sie allerdings auch eine Zeitreise. Bücher, die ich als Kind schon gelesen habe, darf ich nun nochmal mit meinen Töchtern erleben. Hier habe ich bereits einige Blog-Beiträge geschrieben, die ihr gerne nachlesen könnt.

Kinderbücher & Evelyn Teil 1

Lieblingskinderbücher Teil 2

Best of Bilderbuch Teil 3

Natürlich lese ich auch andere Genres. Ganz viel Belletristik. Eher selten Sachbücher (etwa Die Grüne Schatzkammer). Neuerdings immer wieder mal Feministisches, etwa Liebe Jorinde – Mareike Fallwickl. Hier erspare ich euch aber noch weitere Auflistungen.

Wer sich allerdings dafür interessiert, kann sich gerne meine Jahresrückblicke der Vorjahre ansehen.

Mein Jahr in Büchern – Jahresrückblick 2024

Mein Jahr in Büchern – Jahresrückblick 2023

Und wer mich noch besser kennenlernen möchte, kann ja hier den Beitrag imteam – Johannes über Evelyn nachlesen.

Wie dem auch sei. Seit meinem Einstieg bei den Seeseiten sind sieben Jahre vergangen. Ich habe mich weiterentwickelt, meinen Lesehorizont erweitert, habe zwei Kinder bekommen, neue Freunde gefunden, ein paar Menschen verloren. Aber die Seeseiten sind da und werden hoffentlich noch viele Jahre mein zweites Zuhause bleiben. Und mir viele weitere Regalmeter Bücher bescheren.

-Evelyn

Hier nochmal alle erwähnten Titel im Überblick:


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