Johannes empfiehlt – Feindbild Frau

Johannes empfiehlt – Feindbild Frau

Ingrid Brodnig, Brandstätter Verlag

Es ist beschämend, schmerzhaft und ekelhaft zu lesen, was online, was dann in Folge auch oft offline gegen Frauen geschrieben, gepostet, gesagt, ausgestoßen und getan wird, welche Folgen das hat und wie damit gesellschaftlich umgegangen wird. Neu hingegen ist das alles nicht.
Ingrid Brodnig hat ein neues Buch geschrieben, und im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob ich mich über ein Buch zum Thema Anfeindungen gegen Frauen, im Speziellen gegen Frauen in der Politik, freuen darf; freuen darf, dass es notwendig ist. Beim zweiten Mal Nachdenken muss ich sagen, finde ich das dumm von mir. Natürlich würde ich mir wünschen, das Thema wäre nicht so dringend, so ernst und so echt, wie es ist und schon in den ersten Absätzen von „Feindbild Frau“ deutlich wird. Die Freude über das Buch kommt woandersher.

Ingrid Brodnig hat eine Art zu schreiben und über Themen zu sprechen, die für mich unglaublich erholsam ist. Erholsam, in dem Sinn, dass sie ein Thema, das aufregt und mit Angst und Wut erfüllt, mit ihren Worten in eine Sachlichkeit hüllt, die mir beim Lesen das Gefühl zurückgibt, begreifen zu können. Begreifen zu können, warum, wer, wo und gegen wen, und das alles in klaren, sichtbar belegten und nahtlos recherchierten Zahlen und Fakten.
Die Berichte dazu, vor allem von Politikerinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, und dabei kommen unterschiedliche politische Positionen zu Wort, sind, gelinde gesagt, schockierend, die Methoden und Motivationen hinter den Attacken, die nicht selten auch vom digitalen ins reale Leben hinüberschwappen, beängstigend. Die Emotionen oder Ziele, die zu den Attacken führen, werden mit Ingrid Brodnigs Buch nicht verständlicher oder gar entschuldigt, aber sichtbar und begreifbar werden sie, und das ist eine große Leistung und das Ergebnis scheinbar unermüdlicher Arbeit.
Ingrid Brodnigs Lösungsansätze sind oft nur scheinbar keine Neuigkeit, umso mehr aber eine Erinnerung, eine Ermutigung und eine hoffnungsvolle Klarstellung. Denn zu wissen, dass genau das, Bestärkung, Meldung, Wissen, Widersprechen und Daten, Zahlen und Fakten, zu helfen imstande ist, beruhigt gleich noch mehr. Auch das Wissen, wie wir melden, was wir melden und wo wir melden können, hilft und ermutigt. Wir können etwas tun gegen Wut, Hetze und Zorn. Mit Klarheit, Sachlichkeit und Rückgrat, mit Unterstützung und Hilfe. „Feindbild Frau“ räumt im Endeffekt vor allem mit einem auf, und zwar mit der hoffnungs- und sinnlosen Vorstellung, dass wir nichts ändern können. Wir können. Dank der Arbeit von Ingrid Brodnig wissen wir nun auch, wieso, weshalb, warum und wie. Danke!

-Johannes

Am Montag, 23.2., 19 h präsentiert Ingrid Brodnig ihr Buch „Feindbild Frau“ in der Seeseiten Buchhandlung
Anmeldung und Informationen unter buchhandlung@seeseiten.at.
Kostenbeitrag: € 7,- Wir freuen uns seitenweise auf euch!

Feindbild Frau

von Ingrid Brodnig

Brandstätter Verlag