Johannes empfiehlt – Die Rache der Väter

Johannes empfiehlt:
Die Rache der Väter

S. A. Cosby, ars vivendi Verlag

Ike Randolph weiß, dass es nichts Gutes bedeutet, wenn die Polizei vor seiner Tür steht. Das Rasenpflege-Unternehmen, das er sich in den letzten Jahren aufgebaut hat, läuft gut, die Beziehung zu seiner Frau steht auf stabilen Beinen, einzig zu seinem Sohn hat er wenig bis gar keine Bindung, seit ihm dieser seinen weißen Freund vorgestellt und ihnen eröffnet hat, dass sie nicht nur heiraten wollen, sondern auch noch mithilfe einer Leihmutter ein Kind bekommen.

Ike Ranolph weiß, was Ausgrenzung bedeutet. Als Afroamerikaner, der sich, nach seiner jahrelangen Haftstrafe unter schwersten Bedingungen, ein forderndes, aber erfolgreiches Leben erarbeitet hat, wünscht sich für sein erwachsenes Kind etwas Besseres, ein friedliches, ruhiges und vor allem normales Leben, ein Leben, wie Ike es versteht. Sei es aus Angst um seinen Sohn, aus Unverständnis oder aus schlichter Homophobie, Ikes Reaktion auf das Coming-out seines Sohnes, auf die Offenbarung, dass dieser jemanden – einen Weißen – so sehr liebt, dass er den Rest seines Lebens mit ihm verbringen will, war von Jähzorn geprägt.

Als der Polizist Ike Randolph überbringt, dass jemand seinen Sohn Isiah und dessen Ehemann Derek vor einem Lokal erschossen hat, zählen all die Vorbehalte plötzlich nicht mehr. All die Wut, all die Angst scheint verraucht, und Ike würde die Welt verbrennen, nur um seinen Sohn nochmal in die Arme schließen zu können. Doch seine Frau braucht ihn jetzt, denn sie beide sind nun dafür verantwortlich, ihrer süßen Enkelin ein Zuhause zu geben. Selbst als Buddy Lee, Dereks Vater und alkoholerprobter Redneck, auf Ike zukommt und ihn bittet, mit ihm gemeinsam herauszufinden, wer für diese Bluttat verantwortlich ist, hält sich Ike zurück.

Doch kurze Zeit später wird der Grabstein des Ehepaars geschändet, und Ikes Frau gibt ihm zu verstehen, dass sie sich den Ike zurückwünscht, den sie kennengelernt hat, bevor er hinter Gitter gewandert ist. Den Ike, der keine Schusswaffe braucht, um jemanden zu töten. „Die Rache der Väter“ ist ein kluger, knallharter und wilder Rachethriller. Blutrot und dabei bunt wie der Regenbogen. Cosby spielt nicht nur gekonnt auf der Klaviatur der kreativen Todesarten und Standoffs, er versenkt auch gekonnt alle dummen, verbohrten, verklemmten und hirnverbrannten Vorurteile in einem mit Buddy-Movie-MomEnten gespickten Vollblutbad. Ein Hoch auf Gartengeräte!

Der Nachbar

von S. A. Cosby

ars vivendi Verlag

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