Evelyn empfiehlt – Pause
Lena Kupke, DTV
Hand aufs Herz: Wir alle glauben doch, als mündige Erwachsene alles im Griff zu haben, oder? Man ist eigenständig, hat sich Freundschaften, Karriere und Beziehungen aufgebaut. Doch dann kommt dieser eine Tag, dieser eine Moment, der alles wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lässt. Bei Hanna war es der Tag, an dem sie bei einer Präsentation zusammenbrach.
Ich musste beim Lesen so oft schlucken, weil Lena Kupke dieses Gefühl von „Heimkehr wider Willen“ so unglaublich treffend beschreibt. Da sitzt man nun wieder im alten Kinderzimmer, das eigentlich längst zum Büro des Vaters umfunktioniert wurde. Man starrt auf den Drucker und die elektrischen Rollos und fragt sich: Wie bin ich hier gelandet?
Alles ist vertraut und fremd zugleich. Man bekommt sehr schnell ein Gefühl der Enge, und ich konnte gut nachvollziehen, dass es sich für Hanna als Niederlage anfühlt.

Das Buch hat mich vor allem deshalb so berührt, weil es die schwierige Dynamik innerhalb der Familie anspricht, die wir vielleicht oft schon selbst erlebt haben: die fehlende Kommunikation und Konfliktbewältigung.
Ebenfalls aufgegriffen wird, dass sich in Krisenzeiten erst zeigt, auf welche Menschen man tatsächlich zählen kann, und dass echte Anteilnahme und Hilfe manchmal von den Leuten kommen, von denen man es am wenigsten erwartet hat.
Es ist kein lautes Buch. Es ist zart, ehrlich und an den richtigen Stellen so wunderbar witzig, dass es die Schwere nimmt.
Warum ihr es lesen müsst
„Pause“ ist für mich mehr als nur eine Geschichte über eine Krise. Es ist ein Buch für alle, die schon mal den Boden unter den Füßen verloren haben. Es zeigt uns, dass Heilung kein gerader Weg ist, sondern oft über knarzende Dielen im Elternhaus führt.
Ein absolut ehrliches Buch, das mich daran erinnert hat, dass es keine Schande ist, mal kurz die Stopp-Taste zu drücken. Manchmal muss man erst mal wieder Kind sein, um als Erwachsene weitermachen zu können.

Pause
von Lena Kupke
DTV

