Evelyn empfiehlt – Hazelthorn

Evelyn empfiehlt:
Hazelthorn

C. G. Drews, Fischer Sauerländer

Wenn eine Geschichte mit drei eisernen Verboten, einem gotischen Herrenhaus und einer verbotenen Liebe beginnt, hat sie mich eigentlich schon am Haken. Da ich schon den Vorgängerroman „Don’t Let the Forest In“ sehr mochte, war ich unglaublich gespannt auf das neue Werk von C.G. Drews. Und „Hazelthorn“ setzt tatsächlich noch einen drauf und bedient mein Faible für düstere Horrorszenarien auf eine völlig neue, faszinierende Weise: Hier ist es nicht nur die menschliche Natur, die Abgründe birgt, sondern die Natur selbst, die sich nach jahrelangem Missbrauch wehrt und auf Rache sinnt.

Die Geschichte dreht sich um Evander, der wie ein Geist in den vergessenen Winkeln von Hazelthorn Manor lebt. Angeblich zu seinem eigenen Besten und zum Wohle seiner Gesundheit wird er von seinem milliardenschweren Vormund Byron in seinem Zimmer verwahrt, ruhiggestellt mit einer geheimnisvollen Medizin. Er existiert gefangen in einem Netz aus strengen Regeln: Er darf das Anwesen nicht verlassen, den Garten nicht betreten und vor allem niemals wieder allein mit Laurie sein. Dabei ist Laurie – der charmante Enkel des Vormunds, ein absoluter Rebell und Nichtsnutz – der einzige Lichtblick in Evanders isolierter Welt. Sieht man mal von der Tatsache ab, dass Laurie einst versucht hat, ihn umzubringen.

Als Byron plötzlich stirbt und Evander überraschend das gesamte Vermögen samt des riesigen Anwesens erbt, bricht das pure Chaos aus. Evander ist sich sicher, dass Byron ermordet wurde, und setzt sich unbeirrbar in den Kopf, diesen Mord auf eigene Faust aufzuklären. Doch die Wahrheit zu finden ist in diesem Haus fast unmöglich, denn plötzlich tauchen die gierigen Verwandten auf, die jahrelang keinen Zugang zum Anwesen hatten. Sie wittern ihre Chance und fallen wie die Geier über Hazelthorn Manor her, getrieben von klassischen, skrupellosen Erbinteressen. Ausgerechnet der rebellische Laurie ist nun der Einzige, dem Evander bei seiner gefährlichen Spurensuche noch vertrauen kann, um sich gegen die Verwandtschaft aufzulehnen und den Mörder zu entlarven.

Was mich an der Konstruktion dieses Romans so begeistert hat, ist die unwiderstehliche, giftige Dynamik. Drews spinnt ein hocheffektives Spiel mit Gegensätzen: Auf der einen Seite steht dieses klassische Kriminalszenario voller falscher, erbgieriger Gesichter und der psychologischen Beklemmung durch Evanders erzwungene Isolation. Auf der anderen Seite kriecht das Grauen von draußen unaufhaltsam näher, denn der verwilderte, lebendige Garten fordert nun unerbittlich Gerechtigkeit ein und streckt seine hungrigen Ranken nach dem Herrenhaus aus.

„Hazelthorn“ ist für mich ein gefährlich süchtig machender, atmosphärischer Horror-Roman. Eine düstere, klug konstruierte Geschichte über toxische Geheimnisse, menschliche Gier und eine Liebe gegen jede Regel, die zeigt, dass manche Gärten Früchte tragen, die man besser niemals ernten sollte.

Hazelthorn

von C. G. Drews

Fischer Sauerländer Verlag

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