Evelyn empfiehlt:
Bullshit mit Blümchenkleid
Barbara Haas, Ueberreuter Verlag
Ich muss gestehen: Ich bin keine große Freundin der digitalen Selbstdarstellung, der Filter und durchgestylten Inszenierungen. Doch auch wenn man sich bewusst aus den sozialen Medien heraushält, kommt man an einem Thema derzeit kaum vorbei: dem Versuch, das Rad der Zeit für uns Frauen wieder zurückzudrehen.
Genau hier setzt Barbara Haas mit ihrem Buch „Bullshit im Blümchenkleid“ an. Sie analysiert ein Phänomen, das weit über das Internet hinausgeht. Es ist die Rückkehr eines neuen Konservatismus, der uns verkaufen will, dass die Lösung für alle modernen Probleme – von der Überforderung bis zur Vereinbarkeit – im Rückzug ins Private liegt. In der „sanften Weiblichkeit“, in der Hingabe und, ja, in einer Form der Abhängigkeit, die wir eigentlich längst hinter uns gelassen haben sollten.
Barbara Haas nennt die Dinge beim Namen. Sie zeigt auf, wie heute unter dem Deckmantel von Ästhetik und „Tradition“ aktiv daran gearbeitet wird, feministische Errungenschaften zu untergraben. Geschickt wird hier die Sehnsucht nach Entschleunigung instrumentalisiert, um Frauen wieder in alte Rollenmuster zu drängen.

Es geht hier nicht um die individuelle Entscheidung, gerne zu backen oder sich um die Familie zu kümmern – es geht um die politische Dimension dahinter. Haas entlarvt, wie dieser vermeintliche Rückzug in eine „heile Welt“ unsere Freiheit gefährdet. Sie erinnert uns daran, dass wir wachsam bleiben müssen, wenn uns jemand weismachen will, dass unsere Selbstbestimmung eigentlich nur eine Last sei, die wir gerne abgeben dürfen.
Barbara Haas schreibt klug, streitbar und mit einer Schärfe, die guttut. Ihr Buch ist ein Plädoyer für einen Feminismus, der sich nicht von blumigen Versprechungen einlullen lässt, sondern für die Freiheit kämpft – auch, wenn sie manchmal anstrengend ist.

Bullshit mit Blümchenkleid
von barbara Haas
Ueberreuter Verlag
