Drei Gedichtbände

Zum Lachdenken, Genießen und Entdecken

Johannes Kößler

Drei Gedichtbände, Tyrolia Verlag, Czernin Verlag und DTV

Was kann Lyrik eigentlich? Sich reimen? Nicht immer. Und doch kann Lyrik, können Gedichte entzücken, überraschen, berühren und packen, als wären sie ein Kriminalroman. Man kann sich in ihnen verlieren, sie können zum Denken anregen, sie können einen zweifeln und glauben machen.

Auf der gerade vor zwei Tagen zu Ende gegangenen Buch Wien, da ist etwas besonderes präsentiert worden: Die ORF Kids Bestenliste. Die monatliche Bestenliste für Bücher gibt es ja nun schon einige Zeit, jetzt hat aber ein kleines Team die ORF Kids Bestenliste lanciert und da werden jeden Monat die fünf besten Bücher für junge Leserinnen und Leser präsentiert.

Dass in der ersten Kids-Bestenliste ausgerechnet ein Band mit Gedichten der wunderbaren Lena Raubaum mit wunderschönen Bildern von Katja Seifert Platz 1 belegt, ist – so finde ich – groß- und einzigartig!

Denn in „Ich hab da was für dich“ sind neben Wortgeschenken und Gedankenstupsern ganz viele andere Dinge enthalten: Da gibt es die Zuversicht, die anklopft, grade nicht kotzende Steine, Wanderstäbe, Warane, Pferde und Flusspferde, magische Verwandlungen und Dinge, die sich vielleicht nicht nur, aber doch leichter mit einem Gedicht sagen lassen, wie zum Beispiel:

Mit leiser Liebe lieb ich dich,
und sing in Stille mir,
so manches wiederholte Lied
und es beginnt mit „Wir…“.

Dieses Buch ist zweifellos ein Glücklichmacher. Ein Nachdenklich- und Genussmacher ist der neue Gedichtband der großartigen Renate Welsh, die schon mit „Johanna“ oder dem „Vamperl“ begeistert hat. Mit 87 Jahren ist im Czernin Verlag nun „Leih mir dein Ohr“ erschienen, eine wundervolle, nachdenkliche, kluge, anrührende und berührende Sammlung einzigartiger Gedichte. Da erzählt sie von Zukunft und Vergangenheit, von Angst und Hoffnung, von Schmerz, Verlust und dem Glück des Zusammenseins.

Und schließlich ist noch eine dritte Dichterin mitgekommen, Mascha Kaleko, die 1907 zur Welt kam und Zeit ihres Lebens, die schönsten, leichtesten, traurigsten und treffendsten Gedichte schrieb. Bis zu ihrem Tod 1975 in der Schweiz hat sie geschrieben und ein ums andere Mal ins Herz ihrer Leserinnen und Leser getroffen. In „Ich tat die Augen auf und sah das Helle“ finden wir – für mich neu – erstmals auch ihre Prosa gemeinsam mit ihren wunderschönen Gedichten, ausgewählt und bevorwortet von Daniel Kehlmann. Das sind Genussbücher, die uns die Zeit und die Mühsal aus den Augen verlieren oder zumindest leichter oder verständlicher werden lassen und uns das Herz wieder an den richtigen Fleck rücken, auch wenn es schwer ist.


Lena Raubaum & Katja Seifert
„Ich hab da was für dich“
Tyrolia Verlag
978-3-7022-4230-5

Renate Welsh
„Leih mir dein Ohr“
Czernin Verlag
978-3-7076-0851-9


Mascha Kaléko, Daniel Kehlmann
„Ich tat die Augen auf und sah das Helle“
dtv
978-3-423-28420-2


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