Coming of Age, aber make it messy
Wenn ihr Bücher braucht und bei uns vorbeikommt oder bei uns anruft und uns eure Bücherwünsche mitteilt, dann tippen wir die Bestellungen ein und die Bücher treffen (fast) immer am nächsten Tag bei uns ein. Die Bücher, die dann kistenweise ankommen und übernommen werden müssen, ja, das mache (fast) immer ich.
Meine Buchhandelslehre habe ich im Sommer 2025 positiv abgeschlossen und mein Arbeitskollege Petar war damals in der Berufsschule mein Sitznachbar. (Danke fürs akademische Sponsoring, Petar!)
Die Matura wollte ich unbedingt nachholen, das war mir schon immer bewusst, also bin ich gerade aktiv dabei. Mich bekommt ihr immer vormittags zu sehen, zwischen einem Haufen Kundenbestellungen und eiligen Novitäten, auf die wir uns immer allesamt freuen! Also, vormittags bin ich also die Buchhändlerin, am Nachmittag bis am Abend geht es für mich gleich weiter in die Abendschule, ja, da bin ich eine (leicht erschöpfte), aber doch gewagte Studentin.


Ich muss gestehen, zum Lesen komme ich in letzter Zeit leider nicht mehr so häufig. Die kuscheligen Lesestunden auf dem Bett oder auf einer sonnigen Terrasse sind (vorerst) vorbei, jetzt wird nur mehr während der Fahrten in der U-Bahn oder im Bus gelesen. Traurig, aber wahr. Trotz all dem Hin und Her zwischen Theoriestunden und Hausaufgaben, zwischen Präsenz- und Onlineunterricht, lasse ich mir die Liebe und Leidenschaft zur Literatur nicht nehmen. Ich sage nämlich immer, dass das Lesen von Büchern eine Art „Entkommen“ von der Realität ist. So schalte ich ab, so bin ich weg, so bin ich glücklich und dort, wo ich sein will, zwischen Zeilen versunken und unter Büchern versteckt. Daran wird sich nie etwas ändern.
Als ich angefangen habe, in den Seeseiten zu lernen, war ich fünfzehn und absolut besessen von Fantasy- und Romance-Büchern. Die Autorin und die Welt, die mich zum Lesen brachte, war Sarah J. Maas. Ihre mehrteiligen Bücher einer komplett erfundenen Welt haben mich damals zu meiner Schulzeit völlig der Realität entrissen und in eine komplett andere Welt entführt. Damals habe ich zum ersten Mal verstanden, was Bücher für eine Macht haben. Wenn ihr mich heute fragt, was ich gern lese, dann könnte ich euch keine klare Antwort geben, ich lese nämlich inzwischen keine Romance-Bücher mehr (auch wenn sich das Sortiment inzwischen ausgebreitet

hat). Diesen Bereich deckt zum Glück die liebe Emilie ab, die absolut verrückt nach Ice-Hockey-Romance ist und mich aktiv über alles Mögliche informiert. Ich lese kreuz und quer, am liebsten greife ich zu feministischen Klassikern, Coming-of-Age mit College-Atmosphäre, oder aber den einen oder anderen Thriller mit Suchtfaktor. Da der Platz an Büchern daheim schon sehr gering geworden ist, wähle ich meine Lektüre mittlerweile auch etwas sorgfältiger aus.
Jeder, der mich auch nur ein kleines bisschen kennt, weiß, dass ich keinen Tag ohne Kaffee auskomme. Manche würden sagen, sie trinken den Kaffee, um aufzuwachen, ich hingegen wache auf, um Kaffee zu trinken. So ist das mit mir. Wenn ich einen lästigen Tag hinter mich gebracht habe, dann stürze ich mich in die Küche und backe. Ich schreibe unglaublich gerne für mich allein und bin ein Familienmensch; überall, wo ich hinkomme, finde ich eine Familie für mich. Das Team der Seeseiten ist Familie für mich, meine Freundinnen und Freunde und die Schule sind Familie für mich, und meine Familie zu Hause ist der größte Support. Ich werde allen für ewig dankbar sein, dass sie mich auffangen, wenn irgendein Charakter aus meinen Büchern stirbt und ich meine Emotionen dadurch nicht kontrollieren kann und mich gleich in die Küche zum Backen stürze.
Meine Lieblingsbücher sind „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde (alte Legenden sterben nie), „Carrie“ von Stephen King (blutig, aber genial), „Vatermal“ von Necati Öziri (ich bin ein Migrakind und ich lebe für Migraliteratur), „Unerhörte Stimmen“ von Elif Shafak und last but not least: „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath (dieses Buch beschreibt so einiges in mir), am liebsten gleich illustriert.
Auch, wenn es aktuell sehr stressig und chaotisch bei mir zugeht, freut es mich dennoch, jeden Tag aufzuwachen und umgeben von Büchern zu sein, denn die Literatur erinnert mich jeden Tag daran, wieso ich eigentlich arbeite und meinen Zielen hinterherlaufe. Die Lehre hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, und auch, wenn ich inzwischen schon eine ausgelernte Buchhändlerin bin, werde ich nie vergessen, wie ich mit 15 angefangen habe, hier zu lernen. Dieses Jahr werde ich 20, also ja, ich kann schon sagen, ich bin in den Seeseiten groß geworden.
Ich freu mich, dass ich hier bin, die Buchhändlerin, die immer noch jeden Tag dazulernt!






