Eine Frage der Alchemie

Eine Frage der Alchemie

„Die Zeit der Alchemisten“ von Kit Chapman

Bitte, der Mann hat den Royal Society Trivedi Science Book Prize gewonnen! Wer kann das schon von sich behaupten? Stephen Hawking zum Beispiel, Camilla Pang oder Bill Bryson, die zum Beispiel und hier, Kit Chapman mit einem Buch über Alchemie. Das schaut gut aus, hab ich mir gedacht und Alchemie, mystisch, spannend und Geschichte, das klingt interessant, ein paar Leute werden das sicher haben wollen, dachte ich, vielleicht ein oder zwei. Und dann hab ich zu lesen begonnen und bitte, ich hab nicht unbedingt einen persönlichen Draht oder sympathische Empfindungen zur Chemie, und das, obwohl Jakob (der junge Mann, der mich „adoptiert“ hat) eine dergestalt ausgerichtete Fachhochschule besucht und in dem Bereich arbeitet. Ich will jetzt nicht in die alte Kerbe schlagen, der Lehrer war schuld, aber unter anderem liegt das vielleicht an einem Lehrer, dessen grundlegende Frustrationsreaktion aggressives Verhalten von Kreidenschießen über rumbrüllen und anderes war; er war einer der wenigen, die sich so verhalten haben und einer der wenigen, der das gut fand und ich bin mir sicher, wir waren nicht ganz unschuldig an seiner niedrigen Toleranzschwelle, aber manchmal, wenn ich Schulen beliefere, bin ich ein bisschen neidisch auf die Schülerinnen und Schüler heute, was für tolle Lehrerinnen und Lehrer heute aktiv sind. Die Lehrerinnen und Lehrer beneide ich weniger, die bewundere ich mehr, weil das ist richtig anstrengende Arbeit, glaube ich.

(c) Seeseiten Buchhandlung, JK
(c) Seeseiten Buchhandlung, JK

Aber abgesehen davon, Kit Chapman hat kein Buch über Chemie geschrieben, es ist ein Prequel! Und ich wusste nicht, dass es etwas so interessantes gibt, wie Wissenschaftsgeschichte! „Die Zeit der Alchemisten“ ist voll von allerersten Malen – so weit wir wissen – die erste schriftlich festgehaltene Beschwerde, die ersten Legierungen, die ersten Lagerfeuer, die ersten Chemikerinnen. Dazu geheime Symbole, Zauberformeln, mystische Menschen und wahnsinnige Herrscher. Chapman erzählt nicht nur von Methoden und Geräten – allein im ersten Drittel des Buches habe ich mehr als fünf Mal laut ausgerufen: „Was? Das haben die damals schon gehabt?“ – sein Buch ist voll mit Witz (siehe: das dunkle Mittelalter war nicht dunkel, ein bestimmter Autor war nur zu faul, um zu recherchieren), Anekdoten und Überraschungen. Chapman erzählt auch den Weg vom antiken Ägypten hin zum Irrglauben, Alchemisten hätten versucht, oder gar das Rezept gehabt, Gold herzustellen.

„Die Zeit der Alchemisten“ erzählt bewundernswert, nachvollziehbar, scheinbar lückenlos und schwerst amüsant unseren menschlichen Weg vom Glauben, wir würden etwas wissen, hin zur Wissenschaft. Das ist ein solches Buch, von dem es sicher bald in irgendeiner Beutegeier-App eine Zusammenfassung geben wird, aber damit, und das schwör ich dir, auf den Stein der Weisen, den Teufel und Maria Prophetissa, versäumst du das Beste daran! JK

Die Zeit der Alchemisten

von Kit Chapman & Hans-Peter Remmler

Aufbau Verlag

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