Evelyn empfiehlt – Das gierige Haus
Evelyn empfiehlt:
Das gierige Haus
Christina Henry, Penhaligon Verlag
Es gibt Orte, die strahlen einfach etwas Beunruhigendes aus. Ein ungutes Gefühl im Nacken, eine plötzliche Kälte oder sogar eine ganz leise, latente Angst. Um manche dieser Orte ranken sich Geschichten und Legenden, die vor allem von uns Kindern damals flüsternd verbreitet wurden und uns zu den dümmsten Mutproben verleitet haben.

Genauso ein Ort – genauer gesagt ein Haus – ist der eigentliche Hauptcharakter im neuen Roman von Christina Henry. Ja, ihr habt richtig gelesen: Dieses Haus ist der Hauptdarsteller!
Seit einer schrecklichen Familientragödie steht das Gebäude leer und wird von allen gemieden. Sieben Menschen verloren dort damals ihr Leben. Zwanzig Jahre später sind nur noch vage, schaurige Geschichten übrig – bis die 13-jährige Jessie, genervt von ihrem kleinen Bruder Paul, ihn auffordert, das Haus zu betreten. Er tut es. Und er kommt nie wieder zurück.
Die Folgen sind herzzerreißend: Die Eltern verkraften den Verlust nicht, der Vater wählt den Freitod, die Mutter versinkt in tiefer Trauer. Und Jessie? Sie muss mit dieser unerträglichen Schuld weiterleben.
Jahre später lebt Jessie immer noch in dieser Straße, und die Schatten rund um das Haus fangen an, sich zu bewegen. Es ist eine Dunkelheit, die lebt, die atmet und die – wie der Titel schon sagt – unstillbaren Hunger hat. Doch Jessie ist nun selbst Mutter und sie wird alles tun, um ihren Sohn vor diesem gierigen Schlund zu schützen.
Christina Henry ist eine Meisterin darin, das Unbehagen schleichend wachsen zu lassen. Man spürt Jessies Schuldgefühle und diese beklemmende Atmosphäre, während sich die Dunkelheit immer weiter ausbreitet. Packend, düster und so atmosphärisch, dass man beim Lesen das Gefühl hat, die Schatten im eigenen Zimmer würden länger werden.

Das gierige Haus
von Christina Henry
Penhaligon Verlag
