Johannes empfiehlt – Heim holen
Katherina Braschel, Residenz Verlag
Lina geht ins alte Haus der Großeltern, und das Zuhause-Gefühl schlägt über ihr zusammen. Der Garten, die Oma, der Opa, Mama, die sich dann später um die Oma gekümmert hat, und Lina mit ihren Erinnerungen an all das.
Das Bäumezählen mit dem Opa im Garten, die Bank in der Küche, die Fernsehsendungen am frühen Abend und die Schritte auf der Treppe; die Fahrten mit dem Bus zu den Umzügen der Donauschwaben und die Trachten, die Reisen in die Vergangenheit der Familie. Wie war das in den Vierzigern in Belgrad im Franztal, im Viertel der Donauschwaben? Was haben die Großeltern gewusst?

Losgelöst von all den Kindheitserinnerungen drängen sich die Fragen zwischen nostalgische und unbequeme Gefühle. Nach einer belasteten Vergangenheit zu fragen, Nachschau zu halten und zu erleben und zu verstehen, was es heißt, wenn diese Vergangenheit sich zwischen die Liebe zu Opa und Oma, die Kindheitserinnerungen, all das moderne Leben in der großen Stadt drängt, zwischen Gendern, sozialer Verantwortung, modernem Lebensbewusstsein und Schuld: Das ist die Verantwortung, von der wir geglaubt haben, weglaufen zu können.
Katherina Braschel wendet sich in ihrem beeindruckenden Debüt mit eindringlich leichter Sprache dieser Verantwortung zu und überzeugt mit einem einfachen und klaren Vorschlag: Fragen, Zuhören, Lesen und Verstehen.
Ein Buch wie der „Röhrende Hirsch“ über dem Sofa im Großeltern-Wohnzimmer: Irgendwie löst das Bild gemütliche Erinnerungen nach Himbeereis und Kuchen aus, aber selbst will man sich das Bild auf keinen Fall in die Wohnung hängen. Zumindest nicht lange.

Heim holen
von Katherina Braschel
Residenz Verlag
