#45 Vollbekleben mit Destina

Das erste Buch, das ich dieses Jahr vollbekleben durfte, war „Like words on our skin“!
Und ich glaube damit sage ich genug. Mehwish Sohail, die heute in Wien lebt und schreibt, hat schon im Jahr 2021 mit „Like water in your hands“ ein Meisterwerk geschrieben. 2021 war ich noch nicht in meiner Buchhandelslehre, meine Buchempfehlungen habe ich also mal da und mal dort bekommen, bis ich irgendwann mitbekommen hab, dass tatsächlich eine Liebesroman-Reihe erscheinen soll, die mich mit offenen Armen begrüßen wird.
Die Romane spielen alle in Wien, Orte, die ich tatsächlich kenne und besuche! Wien wird so schön, aber gleichzeitig auch so realistisch präsentiert, nicht nur Regenbogen und alles schön, sondern manchmal auch die knallharte Wahrheit. Die Charaktere haben alle einen Migrationshintergrund, so viel Kultur, die in Wien versteckt werden muss, damit man nicht auf der schwarzen Liste landet. Damit man nicht von jeder Straßenecke oder in der U-Bahn angemotzt wird, weil Wien, weil Österreich uns anscheinend nicht will.
Ich sage hier absichtlich „uns“ und „wir“, obwohl die Charaktere im Buch einen pakistanischen Hintergrund haben, ich hingegen habe türkische Wurzeln in mir. Behandelt werden wir jedoch alle gleich, nicht richtig, nicht willkommen, nicht passend. Ich glaube, deshalb habe ich mich endlich so verstanden gefühlt, als ich die ersten zwei Bände dieser Reihe verschlungen hab. Die Charaktere verstecken sich nicht, sie zeigen sich und leben dann mit den Konsequenzen. Sie verstreuen ihre ehrlichen Gedanken über die Politik, über dieses „nicht Willkommen fühlen“, über das Schulsystem, das immer noch nicht passt und niemals passen wird (meine Meinung). Ich habe so viele Passagen und Szenen markiert, wo ich mir immer dachte „Yes! Das! Genau das! Das versuche ich auch immer zu sagen!“ Hier eine Stelle, die ich mir markiert habe:
Jeder hat Schwächen und Stärken. Und es ist unfair, dass die mit weniger Möglichkeiten wegen ihren Schwächen dreimal so viel arbeiten müssen, um mitzuhalten. Aber die mit den meisten Möglichkeiten kriegen von Anfang an alles kompensiert, statt kompensieren zu müssen. Das ist, als ob du jemandem mit einem Fahrrad kein Wasser gibst, aber jemandem mit einem Auto einen Fahrer schenkst.
Seite 67, Like words on our skin
oder:
In Österreich bedeutet es alles, ob du auf ein Gymnasium kommst oder in die Mittelschule. Österreich sagt: Wir müssen die Ausländer besser integrieren. Nur um dann die Ausländer alle von den Inländern zu isolieren und sie an die schlechten Schulen zu schicken. Österreich sagt: Wir haben unsere Geschichte gut aufgearbeitet, gut daraus gelernt. Nur um dann weiterhin Strukturen aus den 1940ern aufrechtzuhalten und die Schuldfrage zu umgehen. Österreich sagt: Ihr habt es hier gut, seid dankbar. Aber Österreich lebt in einem System, das Länder wie Pakistan ausbeutet. Euer Wohlstand ist unser Verderben und trotzdem verlangt ihr unsere Dankbarkeit. Ich habe keine Angst vor euch.“
Seite 167, Like words on our skin
Schon heftig, oder? Das alles ist echt! Das alles passiert wirklich, ob man das jetzt will oder nicht. Ich als Türkin kann diese Passagen bestätigen, kann diesen Mindset besser verstehen als alles andere. Nun, ich danke der Autorin ganz herzlich, dass sie mit diesen Textstellen vieles nochmal auffrischt, aufklärt und hinklatscht.
Aber eigentlich geht es ja in diesen Romanen um Liebesgeschichten! Im ersten Band „Like water in your hands“ durften wir Arwa und Tariq begleiten, schon damals habe ich diese zwei unglaublich tollen Charaktere in mein Herz geschlossen! Im zweiten Band begleiten wir jedoch ein weiteres Paar, nämlich Sadia und Ibrahim. Und diese zwei meine lieben Damen und Herren, haben mich bis zur letzten Zelle meines Körpers verzaubert, jetzt ohne Witz! Beim Lesen dieses Buches habe ich das erste Mal mit beiden Hauptpersonen mithalten können, ich habe beide Charaktere und ihre Sicht auf die Liebe, auf die Familie, auf die Kultur und auf Österreich verstanden. Das waren alles „Ja, ja, JA!“ Momente für mich. Sadia, die in einem Büchercafé arbeitet, eine warme Beziehung zu ihren Eltern hat und die meiste Zeit leidenschaftlich in der Küche verbringt. Ibrahim, der sich als das „schwarze Schaf“ der Familie sieht (ist aber nicht so, er ist super, der Allerbeste!), nicht richtig weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll, weil er schon von Kind aus nicht richtig aufgenommen wurde, der einen guten, versteckten Humor in sich trägt und noch dazu einen phänomenalen Buchgeschmack (meine Meinung).

Sadia und Ibrahim lernen sich in dem Büchercafé, in dem Sadia arbeitet, kennen und freunden sich augenblicklich an. Sie chatten miteinander, tauschen sich über jegliches aus und sehen sich gegenseitig als „Zufluchtsperson“, bis Ibrahim eines Tages den Kontakt zu Sadia grundlos abbricht. Das scheint alles zu verändern, ein ganzes Jahr müssen sie ohneeinander auskommen und versuchen, ihr Chaos im Leben aufzuräumen, jedoch klappt das nicht so, wie anfangs gedacht. Vor allem für Ibrahim wird alles schwieriger, weil er sich von der einzigen Person entfernt, die ihn je verstanden hat. Ein Jahr vergeht und zwei Wege führen zu einem. Zusammen scheinen die beiden das Leben etwas besser zu verstehen, lohnt sich also jetzt ein Neuanfang?
Ich hatte schon so lange keine Liebesromane mehr gelesen, früher hatte ich sie jeden Tag verschlungen, mit der Zeit bin ich da irgendwie „rausgewachsen“ und interessiere mich auf einmal für so vieles mehr. „Like words on our skin“ war seit langem also wieder ein Buch, das mein Herz höherschlagen ließ. Mein Team hat mein Exemplar erwischt, das vollbeklebte und drinnen vollbemalte und vollgekritzelte Exemplar. Jaja, manchmal tu ich das auch, Lesespuren hinterlassen. Früher, also bei den Liebesromanen habe ich das immer gemacht! Ich habe mir die passenden Stifte, die passenden Klebestreifen gekauft und sie für meine Bücher benutzt. Heute mache ich das eher nur selten, nur bei den Top-aller-Top-Bücher!

„Like water in your hands“ aus 2021 und „Like words on our skin“ aus 2023 sind auf jeden Fall Top-Bücher für mich. Das sind Liebesromane, die ihren Platz in der Buchbranche sowas von verdienen! Diese Bücher sollten von allen gelesen werden, ich werde sie immer weiterempfehlen, meine Exemplare immer vollkritzeln und lieben!
Ich bin der Autorin so dankbar, dass sie diese Bücher geschrieben hat. Viele Leserinnen und Leser werden sich vermutlich (ziemlich sicher) endlich mal verstanden fühlen.
ACHTUNG ACHTUNG: Band 3 der „Like This-Reihe“ erscheint am 29.11.2024 und bis dahin besorgt euch unbedingt die ersten zwei Bände, die passenden Stifte und Klebestreifen! Ich bin mir sicher, diese Bücher werden auch in euren Herzen den passenden Platz finden, so wie verschiedene Kulturen in Österreich auch.